Suntory entwickelt Alternative zu Torfmoos aus Getränkerückständen

24. April 2026
von CSN Staff

Der japanische Getränkekonzern Suntory hat ein Gartenbausubstrat aus eigenen Produktionsrückständen vorgestellt und positioniert es als umweltschonendere Alternative zu Torfmoos. Das unter dem Markennamen Teamoss vertriebene Material wird von Suntory Holdings und Suntory Flowers aus Nebenprodukten der Getränke- und Lebensmittelproduktion hergestellt. Hauptbestandteil sind verbrauchte Grünteeblätter, zu den weiteren Bestandteilen gehören Holzspäne.

Torfmoos wird im Gartenbau seit Langem wegen seiner Fähigkeit, Wasser und Nährstoffe zu speichern, geschätzt. Seine Gewinnung gibt jedoch zunehmend Anlass zur Sorge. Moore speichern über Jahrtausende hinweg enorme Mengen an Kohlenstoff, und ihre Zerstörung setzt diesen Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre frei und schädigt gleichzeitig die Feuchtgebiete, die die Artenvielfalt erhalten. Als Reaktion darauf hat der Regulierungsdruck, insbesondere in Europa, zugenommen. Großbritannien beispielsweise strebt Beschränkungen für die Torfnutzung im Hobbygartenbau an, und ein umfassenderer Ausstieg wird derzeit diskutiert.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die wirtschaftliche Logik für Alternativen an Bedeutung. Suntory gibt an, dass sein Verfahren patentiert sei und ein Substrat mit ähnlichen Eigenschaften wie herkömmliche torfbasierte Produkte produziere. Das Unternehmen führte Pilotversuche mit Blumen- und Gemüsepflanzen durch und stellte fest, dass Pflanzen, die in Teamoss wuchsen, genauso gut, in manchen Fällen sogar besser wuchsen als solche, die in Torfmoos gezogen wurden. Diese Behauptungen wurden jedoch nicht unabhängig überprüft, und die Versuche scheinen vom Unternehmen selbst und nicht im Rahmen eines Peer-Review-Verfahrens durchgeführt worden zu sein.

Daigo Suginobu, Präsident von Suntory Flowers, erklärte, das Unternehmen werde weiterhin neue Technologien entwickeln, um Umweltprobleme anzugehen und die Nachhaltigkeit zu fördern. Teamoss sei Teil eines umfassenderen Engagements für die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Suntory recycelt bereits alle Produktionsreste und verwendet sie unter anderem als Tierfutter und Dünger. Teamoss sehe man als Erweiterung dieses bestehenden Ansatzes und nicht als dessen Abkehr.

Der Aspekt der Kreislaufwirtschaft spielt hier eine entscheidende Rolle. Anstatt Rohstoffe aus ökologisch sensiblen Gebieten zu beziehen, greift Suntory auf Abfallströme zurück, die bereits in der eigenen Lieferkette vorhanden sind. Das Unternehmen argumentiert, dass dies durch die Beschaffung von Rohstoffen innerhalb Japans auch Kostenvorteile generieren und die Abhängigkeit von importiertem Torf sowie die damit verbundenen Schwankungen in der Lieferkette verringern könnte. Dieses Argument gewinnt insbesondere in Märkten an Bedeutung, in denen Torfimporte zunehmend mit logistischen und regulatorischen Hürden konfrontiert sind.

Moräne

Surfinia-Sämlinge, die links in herkömmlichem Torfmoos gezogen wurden, und Surfinia-Sämlinge, die rechts in Teamoss gezogen wurden.

Die kommerzielle Produktion in Japan ist für 2027 geplant. Suntory Flowers beabsichtigt, die Produktion bis dahin auszuweiten und die Anbauversuche zu intensivieren. Das Unternehmen prüft außerdem, ob Reststoffe aus anderen Bereichen seiner Produktion in zukünftige Produktvarianten eingearbeitet werden können. Bei ausreichender Nachfrage erwägt Suntory Flowers eine Expansion ins Ausland, insbesondere nach Europa.

Europa bietet eine bedeutende strategische Chance. Mehrere Länder haben die Auflagen für den Torfabbau bereits verschärft, und der Gartenbausektor steht unter großem Druck, skalierbare Alternativen zu finden. Materialien aus Lebensmittel- und Getränkeabfällen könnten, sofern sie die funktionellen Eigenschaften von Torf zu wettbewerbsfähigen Kosten erreichen, bei kommerziellen Anbauern, die ihre Umweltbilanz und ihre regulatorischen Auflagen optimieren möchten, auf offene Ohren stoßen.

Es bestehen jedoch berechtigte Bedenken hinsichtlich der Skalierbarkeit. Teamoss ist derzeit auf Grüntee-Rückstände und Holzspäne angewiesen, die im Rahmen der eigenen Produktion von Suntory anfallen. Ob die Verfügbarkeit dieser Materialien ausreichen könnte, um einen breiteren Markt zu bedienen, der über die Produktionskapazitäten von Suntory hinausgeht, lässt sich aus den bisherigen Unternehmensangaben nicht eindeutig ableiten. Eine Produktion im Ausland würde vermutlich entweder den Export der Rohstoffe oder die Identifizierung gleichwertiger lokaler Abfallströme erfordern.

Der breitere Kontext ist geprägt von zunehmender kommerzieller Aktivität im Bereich der Torfersatzstoffe. Kokosfasern, gewonnen aus Kokosnussschalen, haben sich etabliert, und verschiedene Kompostmaterialien finden in der kommerziellen Gartenbauwirtschaft Anwendung. Teamoss betritt einen wettbewerbsintensiven Markt, wobei die Verwendung von Reststoffen aus der Lebensmittel- und Getränkeverarbeitung als primärer Rohstoff einen eigenständigen Ansatz darstellt.

Suntory hat bisher weder detaillierte technische Spezifikationen noch unabhängige Studiendaten veröffentlicht. Das angestrebte Vermarktungsjahr 2027 gibt dem Unternehmen Zeit, diese Datengrundlage zu schaffen. Für Investoren und Einkäufer im Gartenbausektor lohnt es sich, die Entwicklungen im Auge zu behalten, auch wenn eine fundierte Bewertung von Daten abhängt, die noch nicht öffentlich zugänglich gemacht wurden.