Solarstromerzeugung übertrifft Gasstromerzeugung in ganz Asien erstmals

30. Juni 2026
von CSN Staff

In Asien wurde mehr Strom aus Solarenergie erzeugt als aus Gas – ein historischer Wendepunkt im Energiemix der Region. Eine von Carbon Brief veröffentlichte Analyse bestätigt, dass Solarenergie erstmals auf dem gesamten Kontinent die Gaserzeugung auf Jahresbasis überholt hat. Dieser Meilenstein ist das Ergebnis jahrelangen, beschleunigten Ausbaus der Solarenergie, sinkender Technologiekosten und politischen Drucks zur Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Ein Meilenstein, der durch Chinas Solarboom vorangetrieben wird

China steht im Zentrum dieses Wandels. Das Land hat Solarkapazitäten in einem Tempo installiert, das immer wieder globale Rekorde gebrochen hat, und seine Produktion dominiert mittlerweile die asiatischen Zahlen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. China hat in den letzten Jahren mehr Solarkapazität hinzugefügt als jedes andere Land zuvor, und dieser Ausbau hat zu einem so großen Produktionsvolumen geführt, dass es das kontinentale Gleichgewicht verschoben hat.

Indien hat ebenfalls maßgeblich zu diesem Trend beigetragen. Sein Solarsektor ist im Rahmen nationaler Ziele rasant gewachsen, wobei die Regierung die Einhaltung ihrer Verpflichtungen für saubere Energie aus dem Pariser Abkommen mit Nachdruck vorantreibt. China und Indien zusammen erzeugen den überwiegenden Teil der asiatischen Solarenergie, sodass ihre Entwicklung das regionale Bild maßgeblich prägt.

Gas sah sich unterdessen strukturellen Herausforderungen gegenüber. Hohe Preise für Flüssigerdgas infolge des russischen Einmarsches in die Ukraine verteuerten die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken in weiten Teilen Asiens. Einige Energieversorger reagierten darauf mit der Drosselung des Betriebs ihrer Gaskraftwerke. Dieser Kostendruck, kombiniert mit der rasant steigenden Solarstromerzeugung, beschleunigte den Wendepunkt.

Was die Zahlen über die Energiewende verraten

Die Analyse von Carbon Brief stützt sich auf Daten, die zeigen, dass die Solarstromerzeugung in Asien die Gasstromerzeugung im Zeitraum von April 2026 bis April 12 überstieg. Da es sich um einen kontinentalen Durchschnittswert handelt, variieren die nationalen Gegebenheiten. Japan und Südkorea sind nach wie vor stark von Gaskraftwerken abhängig. Die Solarstromerzeugung in China und Indien ist jedoch so groß, dass sie das regionale Gesamtergebnis entscheidend verändern kann.

Die Geschwindigkeit dieses Übergangs ist ebenso wichtig wie die Tatsache seines Zustands. Analysten hatten prognostiziert, dass Solarenergie in Asien Gaskraftwerke irgendwann überholen würde, doch der Zeitplan verkürzte sich schneller als erwartet. Sinkende Modulkosten spielten dabei eine zentrale Rolle. Laut Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) sind die Preise für Photovoltaikmodule im letzten Jahrzehnt um mehr als 90 Prozent gefallen, wodurch der Bau neuer Solaranlagen in den meisten asiatischen Märkten günstiger ist als der Bau neuer Gaskraftwerke.

Zudem hat sich die Netzintegration verbessert. Der Einsatz von Batteriespeichern hat parallel zum Ausbau der Solarenergie zugenommen, wodurch das Problem der intermittierenden Stromerzeugung, das den Anteil der Solarenergie am Energiemix einst begrenzte, reduziert wurde. Dadurch kann Solarenergie nun zuverlässiger zur Deckung von Bedarfsspitzen beitragen, was ihre Wettbewerbsposition gegenüber steuerbaren Gaskraftwerken stärkt.

Auswirkungen auf Politik und Investitionen

Für politische Entscheidungsträger liefert dieser Meilenstein konkrete Beweise dafür, dass die Energiewende in Asien nicht nur in Form von Zielen und Zusagen, sondern auch in großem Umfang voranschreitet. Regierungen in der gesamten Region haben sich ehrgeizige Ziele für erneuerbare Energien gesetzt, und dieser Meilenstein deutet darauf hin, dass die zugrundeliegenden Mechanismen zur Umsetzung Früchte tragen. Dieser Kontext ist relevant für die internationalen Klimaverhandlungen, in denen Asiens Entwicklung häufig als entscheidender Faktor für die globalen Emissionsergebnisse angeführt wird.

Für Investoren untermauern die Daten die strukturellen Argumente für Solarenergie gegenüber Gas auf den asiatischen Strommärkten. Neue Gasinfrastrukturprojekte sind einem steigenden Risiko von Fehlinvestitionen ausgesetzt, da die Kosten für Solarenergie weiter sinken. Die Finanzierungsbedingungen für Gasprojekte haben sich in mehreren Märkten bereits verschärft, und dieser Meilenstein dürfte diesen Trend beschleunigen. Institutionelles Kapital verlagert sich in Asien zunehmend in Richtung sauberer Energien, und die Erzeugungsdaten bestätigen diese Positionierung.

Entwickler und Energieversorger stehen vor ähnlichen Entscheidungen. Der Bau neuer Gaskraftwerkskapazitäten in einem Markt, in dem Solarenergie Gas bereits jährlich überholt hat, erfordert eine überzeugende Begründung – sei es für Netzstabilität, Grundlastversorgung oder Versorgungssicherheit. Diese Argumente haben in manchen Kontexten weiterhin Gewicht, doch die Beweislast hat sich verschoben.

Der Weg in die Zukunft der asiatischen Energiemärkte

Die Kluft zwischen Solar- und Gaskraftwerken in Asien dürfte sich weiter vergrößern. In China, Indien und Südostasien sind weiterhin umfangreiche Solarprojekte geplant. Die Modulpreise zeigen keine Anzeichen einer Trendwende. Gleichzeitig verschärfen mehrere asiatische Regierungen die Emissionsnormen für die Stromerzeugung, was die Auslastung von Gaskraftwerken langfristig einschränken wird.

Die entscheidendere Frage ist nun, ob der Aufstieg der Solarenergie zu einem absoluten Rückgang der Kohleverstromung führt, die den asiatischen Energiemix nach wie vor dominiert. Dass die Solarenergie die Gasenergie überholt hat, ist ein wichtiger Meilenstein, doch die Kohle bleibt das Hauptziel der Dekarbonisierungsbemühungen. Wie schnell Solarenergie, Speicher und ergänzende saubere Technologien die Kohle in großem Umfang ersetzen können, wird Asiens tatsächlichen Emissionspfad bis 2030 und darüber hinaus bestimmen.