Dänemark untersucht, ob stillgelegte Salzkavernen überschüssige Windenergie in großem Umfang speichern könnten. An dem Projekt arbeitet der niederländische Salz- und Chemiekonzern Nobian mit dem israelischen Energietechnologieunternehmen Airengy zusammen. Gemeinsam prüfen sie, ob die unterirdischen geologischen Gegebenheiten mit Airengys Druckluftspeichersystem „AirBattery“ kompatibel sind.
Die Argumentation für die Erforschung dieser Kombination ist im Prinzip einfach. Windenergie erzeugt Strom nur zeitweise. Übersteigt das Angebot die Nachfrage, geht der Überschuss oft verloren. AirBattery fängt überschüssige Energie auf, indem es Luft unterirdisch komprimiert, und gibt sie bei Bedarf wieder an das Stromnetz ab.
Zwei Unternehmen, sich ergänzende Vermögenswerte
Nobian betreibt unterirdische Kavernen in den Niederlanden, Deutschland und Dänemark. Das Unternehmen speichert in seinen unterirdischen Anlagen Wasserstoff, Erdgas, Diesel, Druckluft und Stickstoff. Der dänische Standort befindet sich in Mariager, wo das Unternehmen auf über ein Jahrhundert Erfahrung in der Salzgewinnung zurückgreifen kann.
Airengy entwickelte AirBattery, um die Druckluftspeicherung von der Theorie in die kommerzielle Anwendung zu überführen. Das Unternehmen testet nun, ob das System im europäischen Maßstab funktioniert. Die dänische Studie ist eines der aktiven Projekte, um die Praxistauglichkeit unter realen Bedingungen nachzuweisen.
Nobian vertritt die Ansicht, dass seine unterirdischen Ressourcen ihm eine natürliche Rolle in der europäischen Energiewende ermöglichen. Das Unternehmen entwickelt bereits seit Längerem Kavernenspeicher für Energierohstoffe. Salzkavernen sind interessant, da sie große unterirdische Speichervolumina und teilweise bereits vorhandene industrielle Infrastruktur bieten, was die Entwicklungskosten senkt.
Warum Langzeitspeicherung jetzt wichtig ist
Die Stromnetze in ganz Europa beziehen einen wachsenden Anteil der Wind- und Solarenergie. Beide Energiequellen sind naturgemäß schwankend. Auf eine Phase hoher Windstromerzeugung, gefolgt von einer Woche mit geringer Windgeschwindigkeit, kann die Netzbetreiber, die Angebot und Nachfrage in Echtzeit regulieren müssen, stark belasten.
Langzeitspeichertechnologien setzen hier direkt an. Sie speichern Energie über Stunden oder Tage und gleichen so die Lastspitzen und -täler aus, die Kurzzeitbatterien nicht immer bewältigen können. Salzkavernen sind ein Kandidat für diese Aufgabe. Ihre Größe und geologische Beschaffenheit eignen sich für die Langzeitspeicherung, die Druckluftsysteme benötigen.
Die dänische Untersuchung spiegelt einen Trend wider, der sich auf dem gesamten Kontinent abzeichnet. Regierungen und Energieunternehmen suchen nach Alternativen zu Lithium-Ionen-Batterien. Sie benötigen Speicherlösungen, die große Energiemengen über längere Zeiträume speichern können. Unterirdisch gespeicherte Druckluft ist einer von mehreren Ansätzen, die derzeit intensiv geprüft werden.
Ein Parallelprojekt in Rumänien
Dänemark ist der zweite europäische Markt, auf dem Airengy eine Druckluftinitiative angekündigt hat. In Rumänien planen Airengy und Hagag Europe ein Druckluftkraftwerk, das auf demselben AirBattery-System basiert. Dieses im Juni vorgestellte Projekt soll in mehreren Phasen realisiert werden. Nach vollständiger Entwicklung könnte es eine Entladeleistung von 25 Megawatt liefern und bis zu fünf Gigawattstunden Energie speichern.
Das rumänische Projekt verdeutlicht das Ausmaß, das Airengy anstrebt. Fünf Gigawattstunden sind eine beachtliche Menge. Zum Vergleich: Damit könnten Zehntausende Haushalte bei einem Stromausfall mehrere Stunden lang mit Strom versorgt werden.
Das dänische Projekt befindet sich noch in der Untersuchungsphase. Für den Standort Mariager wurden noch keine Kapazitätsangaben veröffentlicht. Die beiden Unternehmen prüfen die technische und geologische Machbarkeit, bevor sie kommerzielle Verpflichtungen eingehen.
Was die Studie zeigen könnte
Die dänische Untersuchung liefert zwei interessante Ergebnisse. Zum einen geht es darum, ob die Mariager-Kavernen geologisch für die Druckluftspeicherung im kommerziellen Maßstab geeignet sind. Zum anderen wird untersucht, ob sich das System von Airengy in die bestehende Salzkaverneninfrastruktur integrieren lässt, ohne dass ein vollständiger Umbau des Geländes erforderlich ist.
Beide Fragen sind für den gesamten europäischen Speichermarkt relevant. In mehreren europäischen Ländern mit ambitionierten Zielen im Bereich erneuerbarer Energien existieren Salzkavernen. Sollte die dänische Studie zeigen, dass stillgelegte Industriekavernen für die Druckluftspeicherung umgerüstet werden können, stünde Entwicklern ein größeres Spektrum potenzieller Standorte zur Verfügung.
Nobians Engagement ist auch aus wirtschaftlicher Sicht bemerkenswert. Das Unternehmen betreibt ein traditionelles Salz- und Chemiegeschäft. Der Einstieg in die Energiespeicherung spiegelt die Einschätzung wider, dass unterirdische Anlagen mit dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen aus den europäischen Stromnetzen an Wert gewinnen werden.
Airengy baut seinerseits ein Portfolio an Pilot- und Entwicklungsprojekten auf. Die Ankündigung in Rumänien und die dänische Studie deuten darauf hin, dass das Unternehmen an mehreren Fronten Fortschritte erzielt. Ob eines der Projekte den kommerziellen Betrieb erreichen wird, bleibt abzuwarten. Die Technologie ist prinzipiell vielversprechend, allerdings verfügt die großtechnische Druckluftspeicherung in Europa über wenig Erfahrung im kommerziellen Maßstab.




