Naturbeads sichert sich 4.1 Millionen Euro für den Ausbau der Produktion biologisch abbaubarer Mikrokügelchen

24. April 2026
von admin

Das in Bath ansässige Start-up-Unternehmen Naturbeads hat 4.1 Millionen Euro an EU-Fördergeldern erhalten, um den Übergang von der Laborforschung zur industriellen Herstellung pflanzenbasierter Mikrokügelchen zu unterstützen. Die Förderung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU schrittweise Beschränkungen für synthetische Mikroplastikpartikel in Kosmetika und Konsumgütern einführen will.

Die Mittel aus dem Europäischen Strukturfonds werden den Bau der ersten Produktionsstätte des Unternehmens in Lecce in Apulien (Süditalien) teilweise finanzieren. Laut Naturbeads befindet sich die Anlage bereits in der Testphase; die Produktion soll in den kommenden Monaten anlaufen.

Ein Universitäts-Spin-off, das sich der kommerziellen Größe annähert.

Naturbeads wurde 2018 als Ausgründung der Universität Bath von den Professoren Janet Scott und Davide Mattia sowie der Geschäftsführerin Giovanna Laudisio gegründet. Das Unternehmen hält ein Patent auf ein Verfahren, das Zellulose, den Strukturstoff pflanzlicher Zellwände, in einheitliche Mikrokügelchen umwandelt, die in Größe und Funktion herkömmlichen Kunststoff-Mikrokügelchen entsprechen.

Synthetische Mikrokügelchen finden breite Anwendung in Kosmetika, Waschmitteln, Farben und Industrielacken. Ihre Persistenz in Gewässern und Ökosystemen hat zu anhaltender behördlicher und wissenschaftlicher Beobachtung geführt. Naturbeads positioniert seine Alternative auf Zellulosebasis als biologisch abbaubar und als direkten Ersatz für Kunststoffkügelchen, den Hersteller ohne Einbußen bei Leistung oder Kostenwettbewerbsfähigkeit einsetzen können.

Diese einfache Einsetzbarkeit ist wirtschaftlich bedeutsam. Die Neuformulierung von Inhaltsstoffen verursacht erhebliche Entwicklungskosten für Hersteller. Ein Ersatzprodukt, das sich in bestehende Produktionsprozesse integrieren lässt, beseitigt ein wesentliches Hindernis für die Markteinführung.

Regulatorischer Druck prägt den Markt

Der Regulierungsplan der EU erzeugt bereits jetzt Dringlichkeit. Der Block beschränkt schrittweise synthetische Mikropartikel in Kosmetika, beginnend mit abwaschbaren Produkten im Jahr 2027. Beschränkungen für Produkte, die auf der Haut verbleiben, folgen 2029, und Make-up-Produkte werden bis 2035 in den Geltungsbereich aufgenommen. Diese gestaffelten Fristen geben Marken und Inhaltsstofflieferanten klare Orientierung, und Naturbeads positioniert sich, um diese einzuhalten.

Der kommerzielle Fokus des Unternehmens reicht über Kosmetika hinaus. Laut Naturbeads kann seine Technologie auch in Farben, Klebstoffen, Weichspülern und biomedizinischen Anwendungen eingesetzt werden. Diese breite Palette potenzieller Einsatzmöglichkeiten erweitert sowohl die Marktchancen als auch das Potenzial, einen Beitrag zur Reduzierung der Mikroplastikverschmutzung in verschiedenen Industriezweigen zu leisten.

Bisherige Investitionen und der Weg zur Produktion

Die EU-Förderung folgt auf eine im November 2024 abgeschlossene Serie-A-Finanzierungsrunde über 7.8 Millionen Pfund. Diese Runde wurde von Eos Advisory angeführt, mit Beteiligung von Progress Tech Transfer und neuen Investoren, darunter CDP Venture Capital. Die Serie-A-Mittel dienten der Finanzierung des Ausbaus des italienischen Werks und der Erweiterung der Produktionskapazitäten für Kunden aus den Bereichen Kosmetik, Haushaltspflege und Industrie.

Die Kombination aus Eigenkapitalinvestitionen und öffentlichen Fördermitteln spiegelt ein Finanzierungsmodell wider, das bei Unternehmen im Bereich der Deep-Tech-Materialien üblich ist. Dort benötigt die kapitalintensive physische Infrastruktur Unterstützung aus verschiedenen Quellen, bevor die Einnahmen die Kosten decken können.

Apulien als aufstrebender Produktionsstandort

Die Wahl von Lecce positioniert Naturbeads in einer Region, die Italien seit Jahren zu einem Industrie- und Innovationszentrum ausbaut. Für Apulien stellt das Projekt einen weiteren Baustein dieser Bemühungen dar. Für Naturbeads markiert es den Punkt, an dem ein im Universitätslabor entwickeltes Konzept in ein Produktionsunternehmen übergeht, das auf die Belieferung globaler Märkte ausgerichtet ist.

Das Werk in Lecce wird nach seiner Inbetriebnahme der bisher deutlichste Test dafür sein, ob sich der Produktionsprozess des Unternehmens wie geplant skalieren lässt und ob die Kosten- und Leistungsversprechen auch bei großen Stückzahlen Bestand haben. Die EU-Förderung und die vorangegangene Serie-A-Finanzierungsrunde stellen zusammen ein substanzielles Engagement dar, diese Fragen zu beantworten.

Der breitere Kontext für Mikrokügelchen-Ersatzstoffe

Die Mikroplastikverschmutzung ist auch außerhalb Europas zu einem wichtigen Thema für Umweltbehörden geworden. Großbritannien führte 2018 Beschränkungen für Mikroplastik in abwaschbaren Kosmetika ein. Andere Märkte befinden sich in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung eigener Rahmenbedingungen. Ein wirtschaftlich rentabler, biologisch abbaubarer Ersatzstoff, der im industriellen Maßstab hergestellt wird, wäre in mehreren regulatorischen Umfeldern gleichzeitig relevant.

Naturbeads ist nicht das einzige Unternehmen, das an zellulosebasierten oder biobasierten Alternativen zu synthetischen Mikropartikeln arbeitet. Der Wettbewerb in diesem Segment entwickelt sich noch, und kein einzelner Anbieter hat bisher eine dominante Marktstellung erreicht. Die aktuelle Finanzierungsrunde bestätigt jedoch, dass Naturbeads nun über das nötige Kapital verfügt, um eine Vorreiterrolle einzunehmen, sofern der Produktionszeitplan eingehalten werden kann.