In Deutschland werden Solarpaneele an Zäunen montiert. Das klingt bescheiden. Die Ergebnisse stoßen jedoch bei Flughafenbetreibern, Landwirten und Energieanalysten gleichermaßen auf großes Interesse.
Unternehmen wie Next2Sun statten Grundstückszäune mit bifazialen Photovoltaikmodulen aus. Diese Module erzeugen Strom und markieren gleichzeitig die Grundstücksgrenzen. Das Konzept löst ein echtes Problem auf dem deutschen Energiemarkt: Geeignete Dachflächen sind begrenzt, und die Nachfrage nach dezentraler Energieerzeugung wächst stetig.
Warum Dächer nicht mehr ausreichen
Viele deutsche Gebäude eignen sich nicht für herkömmliche Solaranlagen. Verschattete Dächer, ungünstige Dachneigungen und statische Belastungsgrenzen schränken die Installation von Standard-Modulen ein. Vertikale Zäune bieten Grundstückseigentümern eine Alternative. Sie nutzen schmale Landstreifen, die sonst ungenutzt blieben.
Bifaziale Solarzellen absorbieren Licht von beiden Seiten des Moduls. Ein vertikal montiertes Modul verpasst einen Teil der intensiven Mittagssonne, die eine geneigte Dachanlage einfängt. Dies wird durch die Nutzung von reflektiertem und diffusem Licht über den gesamten Tag hinweg kompensiert. Die Leistung ist morgens und abends deutlich höher als bei herkömmlichen Dachsystemen. Dadurch wird die Stromerzeugung über die Tagesstunden gleichmäßiger.
Ein zehn Meter langer Gartenzaun liefert typischerweise zwischen einem und 1.5 Kilowatt installierter Leistung. Unter günstigen Bedingungen erzeugt er täglich etwa fünf bis 7.5 Kilowattstunden Strom. Das deckt einen beträchtlichen Teil des Strombedarfs eines durchschnittlichen Haushalts.
Die Energiepolitik treibt die Akzeptanz voran
Deutschlands Bestrebungen nach Energieunabhängigkeit haben der vertikalen Solarenergie zusätzliche wirtschaftliche Bedeutung verliehen. Die jüngsten Turbulenzen auf den europäischen Energiemärkten haben den Druck auf Haushalte und Unternehmen erhöht, mehr Strom vor Ort zu erzeugen. Solarzäune erfüllen diese Anforderungen optimal. Sie benötigen keine zusätzliche Fläche und lassen sich an der bestehenden Infrastruktur entlang der Grundstücksgrenzen nutzen.
Next2Sun hat Systeme für private, landwirtschaftliche und gewerbliche Anwendungen entwickelt. Jede Installation dient gleichzeitig als Sichtschutz und Stromquelle. Diese Doppelfunktion macht die Investition für Käufer, die die anfänglichen Installationskosten gegen die langfristigen Erträge abwägen, wirtschaftlich attraktiver.
Deutschlands umfassendere Energiewende fördert dezentrale Energieerzeugung in allen Größenordnungen. Solarzäune fügen sich nahtlos in dieses Konzept ein. Sie sind klein genug für private Hausbesitzer und gleichzeitig skalierbar genug für große Gewerbebetriebe.
Der Flughafen Frankfurt setzt die Maßstäbe
Die bisher größte Installation befindet sich am Flughafen Frankfurt. Fraport, der Betreiber des Flughafens, hat eine 2.8 Kilometer lange vertikale Solaranlage entlang des Flughafengeländes in Betrieb genommen. Das Projekt umfasst rund 37,000 Module mit einer installierten Leistung von 17.4 Megawatt.
Fraport rechnet damit, dass die Anlage jährlich bis zu 17.4 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen wird. Dieser Strom versorgt hauptsächlich die Klimaanlagen der Terminals und die wachsende Flotte von Elektrofahrzeugen am Flughafen. Beides sind hohe und stetig steigende Verbraucher an großen europäischen Drehkreuzen.
Das Frankfurter Projekt hat weit mehr Bedeutung als nur seine reinen Kennzahlen. Es zeigt, dass sich vertikale Solaranlagen ohne zusätzlichen Flächenverbrauch in bestehende Infrastrukturen integrieren lassen. Dies ist besonders wichtig in dicht besiedelten Regionen mit starkem Wettbewerb um Bauland und strengen Bauvorschriften.
Flughäfen bieten hierfür besondere Möglichkeiten. Ihre Gelände sind weitläufig, aus Sicherheitsgründen eingezäunt und größtenteils unbeschattet. Die Infrastruktur ist bereits vorhanden. Die Installation von Photovoltaikanlagen erfordert keinen Landerwerb und nur minimale Beeinträchtigungen des laufenden Betriebs.
Was die Technologie noch beweisen muss
Vertikale Solarzäune sind eine zukunftsfähige und realisierbare Technologie. Ihr kommerzieller Nutzen zeigt sich besonders dort, wo die Dachfläche begrenzt, das Bauland teuer und die Infrastruktur an den Grundstücksgrenzen ohnehin erneuert oder modernisiert werden muss.
Die Leistung eines Gartenzauns ist zwar real, aber begrenzt. Fünf bis 7.5 Kilowattstunden pro Tag decken einen Teil des Haushaltsstrombedarfs. Er ersetzt keine vollständige Dachklimaanlage, sofern eine solche vorhanden ist. Käufer sollten beide Optionen sorgfältig abwägen, bevor sie sich entscheiden.
Leistungsdaten von Großanlagen wie der in Frankfurt werden wichtig sein. Die unabhängige Überprüfung der jährlichen Erzeugungszahlen, der Degradationsraten und der Wartungskosten wird darüber entscheiden, wie sicher Entwickler die Technologie in der europäischen Transport- und Logistikinfrastruktur skalieren können.
Next2Sun und Fraport haben in den für diesen Artikel ausgewerteten Quellen keine von Dritten geprüften Leistungsdaten veröffentlicht. Angaben zu den erwarteten jährlichen Stromerzeugungszahlen sind daher als Prognosen der Betreiber zu betrachten, bis sie durch eine unabhängige Bewertung bestätigt wurden.
Das deutsche Solarzaun-Experiment ist eine praktische Antwort auf spezifische Herausforderungen. Es ist besonders relevant in Ländern, in denen Dachflächen knapp sind, die Energiekosten hoch bleiben und die Regierungen den Ausbau dezentraler Energieerzeugung stark vorantreiben. Großbritannien, die Niederlande und Belgien erfüllen diese Kriterien.
Der Zaun war schon immer da. Jetzt hat er eine Funktion.




