Chinesische Forscher entwickeln langlebige, umweltfreundliche wässrige Batterie

May 7, 2026
von CSN Staff

Ein Team chinesischer Forscher hat Details zu einer wässrigen Batterie veröffentlicht, die nach ihren Angaben die Speicherung von Energie im Netzmaßstab revolutionieren könnte. Die Ergebnisse erschienen in Nature Communications. Die Batterie durchlief in Labortests 120,000 Lade-Entlade-Zyklen und behielt dabei fast ihre gesamte Kapazität. Die Forscher beschreiben ihre Entsorgung als umweltverträglich.

Ein neutraler Elektrolyt im Kern

Das Design basiert auf einem pH-neutralen Elektrolyten aus Magnesium- und Calciumsalzen. Dies stellt eine Abkehr von der herkömmlichen wässrigen Batterietechnologie dar, die häufig auf stark sauren oder alkalischen Lösungen beruht. Diese Lösungen korrodieren die Elektroden und zersetzen sich mit der Zeit. Der neutrale Ansatz vermeidet beide Probleme. Der Elektrolyt hat einen pH-Wert von 7, nahe dem von reinem Wasser.

Die zentrale Herausforderung bestand darin, den Elektrolyten mit dem passenden Elektrodenmaterial zu kombinieren. Das Team entwickelte eine kovalente organische Polymerelektrode, die Magnesium- und Calciumionen aufnehmen kann. Das Polymer besitzt eine starre, wabenartige Molekularstruktur. Diese Struktur stabilisiert die aktive Verbindung und schützt sie vor Abbau in wässrigen Lösungen. In Tests erreichte die Zelle eine spezifische Kapazität von 112.8 Milliamperestunden pro Gramm.

Langlebigkeitsversprechen und ihre Bedeutung

Die Forscher argumentieren, dass die Lebensdauer der Batterie bei täglicher Lade- und Entladerate Jahrhunderte betragen könnte. Live Science berichtete, die Batterie würde bis ins 24. Jahrhundert halten. Diese Angabe bedarf jedoch einer Einordnung. Im Labor ermittelte Lade- und Entladezyklen lassen sich nicht immer direkt auf reale Bedingungen übertragen. Temperaturschwankungen, Lastfluktuationen und die physische Belastung im praktischen Einsatz stellen Variablen dar, die im Labortest nicht vollständig abgebildet werden können.

Die Zahl von 120,000 Ladezyklen ist an sich schon ein bemerkenswertes Ergebnis. Die meisten handelsüblichen Lithium-Ionen-Batterien weisen nach 2,000 bis 4,000 Zyklen einen deutlichen Leistungsabfall auf. Selbst netzgekoppelte Lithium-Eisenphosphat-Zellen erreichen typischerweise 3,000 bis 6,000 Zyklen, bevor ein nennenswerter Kapazitätsverlust eintritt. Der Unterschied zu den 120,000 Zyklen ist beträchtlich. Eine unabhängige Bestätigung des Ergebnisses steht noch aus.

Die Angaben zur Entsorgung verdienen ebenfalls Beachtung. Die Autoren beschreiben die Elektrolytchemie als ausreichend sicher für die direkte Entsorgung in der Umwelt. Das ist eine gewagte Behauptung. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Großbritannien, den USA und der EU legen strenge Grenzwerte für die Batterieentsorgung fest. Ob diese Chemie diese Grenzwerte in der Praxis einhält, müsste durch unabhängige Umweltprüfungen geklärt werden.

Wo wässrige Batterien Schwierigkeiten hatten

Wässrige Batterien erfreuen sich bei Entwicklern von Netzspeichern stetig wachsendem Interesse. Sie sind nicht brennbar und können kostengünstiger in der Herstellung sein als Lithium-Ionen-Systeme. Wasserbasierte Elektrolyte sind weit verbreitet und einfach zu handhaben.

Die Nachteile sind jedoch erheblich. Die Energiedichte wässriger Systeme ist geringer als bei Lithium-Ionen-Alternativen. Elektrodenkorrosion verkürzt die Lebensdauer vieler Konstruktionen. Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift „Energy Storage Materials“ dokumentieren diese Einschränkungen detailliert. Sie haben die kommerzielle Nutzung trotz steigender Nachfrage nach Netzspeichern gehemmt.

Das neue Design zielt darauf ab, diese Kompromisse zu minimieren. Der neutrale Elektrolyt wirkt der Korrosion direkt entgegen. Die Polymerelektrode beugt dem Abbau vor. Ob sich diese Kombination im großen Maßstab, über verschiedene Temperaturbereiche und in realen Netzumgebungen bewährt, beantwortet die veröffentlichte Studie noch nicht.

Netzspeicherbedarf und der breitere Kontext

Batteriespeicher im Netzmaßstab haben sich zu einer Priorität in der Planung sauberer Energien entwickelt. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat wiederholt auf die Speicherkapazität als entscheidende Voraussetzung für die Integration erneuerbarer Energien hingewiesen. Wind- und Solarenergieerzeugung ist intermittierend. Speicher gleichen diese Schwankungen aus. Lithium-Ionen-Batterien dominieren derzeit die Installationen, doch Bedenken hinsichtlich der Lieferkette, Rohstoffkosten und Brandgefahr halten das Interesse an Alternativen aufrecht.

Wässrige Systeme, Flussbatterien und Druckluftspeicher haben allesamt Investitionen und Forschungsinteresse geweckt. Jedes dieser Systeme weist unterschiedliche Kosten- und Leistungsprofile auf. Eine Batterie mit sehr langer Lebensdauer und geringem Umweltrisiko würde zwei der hartnäckigsten kommerziellen Herausforderungen der Branche lösen.

Die Arbeit des chinesischen Teams befindet sich in einem frühen Stadium. Die Veröffentlichung in Nature Communications zeigt, dass die Methodik von Experten geprüft wurde. Sie bestätigt jedoch nicht die Marktreife.

Was kommt als nächstes

Die Skalierung ist der nächste Test. Laborzellen und Anlagen im Netzmaßstab unterscheiden sich enorm in ihrer technischen Komplexität. Die kovalente organische Polymerelektrode müsste in großen Stückzahlen hergestellt werden. Die Kosten pro Kilowattstunde im großen Maßstab sind in der vorliegenden Arbeit noch nicht bekannt.

Die Forscher haben weder einen kommerziellen Partner noch ein Pilotprojekt angekündigt. Auch ein Zeitplan für die Umsetzung ist in den veröffentlichten Unterlagen nicht enthalten. Die Ergebnisse sind zwar vielversprechend, aber es ist noch zu früh, um das Problem als gelöst zu betrachten.