Das Schwammstadt-Konzept: Eine natürliche Lösung gegen Überschwemmungen in Städten

12. März 2025
von CSN Staff

Städte weltweit kämpfen mit den zunehmenden Herausforderungen von Überschwemmungen und Klimaresilienz. Traditionelle Infrastruktur wie Betonflutrinnen, Abflussrohre und Dämme erweisen sich angesichts extremer Wetterereignisse oft als unzureichend.

Hier kommt das Sponge City Concept ins Spiel, ein naturbasierter Ansatz, der Wasseraufnahme und ökologische Wiederherstellung priorisiert, um Überschwemmungen zu mildern und die Widerstandsfähigkeit städtischer Gebiete zu stärken. Das vom renommierten Landschaftsarchitekten Kongjian Yu entwickelte Sponge City-Modell beeinflusst mittlerweile Stadtplanungsstrategien weltweit.

So funktioniert das Sponge City-Konzept

Die Grundidee einer Schwammstadt ist einfach: Arbeiten Sie mit der Natur, nicht gegen sie. Anstatt Regenwasser so schnell wie möglich abzuleiten, konzentriert sich dieser Ansatz darauf, Wasser durch ökologisches Design aufzufangen, zu verlangsamen und zu nutzen. Das Schwammstadt-Konzept basiert auf drei Kernprinzipien. Erstens: Wasser an der Quelle zurückhalten, indem Maßnahmen wie Gründächer, durchlässige Gehwege und Regengärten integriert werden. Diese Maßnahmen ermöglichen das Versickern des Wassers im Boden, anstatt die Entwässerungssysteme zu überlasten. Zweitens: Den Wasserfluss durch künstliche Feuchtgebiete, Biofiltermulden und naturbelassene Flussufer verlangsamen, um die Wasserbewegung zu kontrollieren und das Risiko plötzlicher, zerstörerischer Überschwemmungen zu verringern. Und schließlich: Wasser in tiefliegenden Gebieten nutzen, indem hochwassergefährdete Gebiete in Parks, Seen und städtische Feuchtgebiete umgewandelt werden – so wird aus einer Schwachstelle ein Vorteil.

Dieser Ansatz mindert nicht nur das Hochwasserrisiko, sondern verbessert auch die Artenvielfalt, die Luftqualität und die Ästhetik der Städte. Darüber hinaus tragen Sponge Cities durch die Grundwasseranreicherung und die Reduzierung von Wärmeinseleffekten zu umfassenderen Klimaanpassungsbemühungen bei.

Wo das Sponge City-Konzept angewendet wird

Kongjian Yus Vision hat insbesondere in China großen Anklang gefunden, wo die Regierung 2013 das Schwammstadtprogramm offiziell verabschiedete. Mehrere Städte haben seitdem Großprojekte umgesetzt, die die Wirksamkeit des Modells unter Beweis stellen.

Ein bemerkenswertes Beispiel ist der Qunli Stormwater Park im chinesischen Harbin. Dieses Projekt verwandelte ein hochwassergefährdetes Gebiet in einen ökologischen Park, der Regenwasser auf natürliche Weise aufnimmt und filtert. Durch die Integration von Feuchtgebieten und einheimischer Vegetation beugt der Park städtischen Überschwemmungen vor und bietet den Bewohnern gleichzeitig Grünflächen. In Sanya City auf Hainan, einer tropischen Küstenregion, entwickelte Yus Team Regengärten, Biorückhaltebecken und städtische Feuchtgebiete, um Monsunregen nachhaltig zu bewältigen. Ein weiteres bedeutendes Projekt ist der Lingang Bird Airport in Shanghai. Dort wurde ein künstliches Feuchtgebietssystem entwickelt, das Regenwasser aufnehmen und gleichzeitig Zugvögeln Schutz bieten soll. Dies veranschaulicht die Verbindung von urbaner Resilienz und Biodiversitätsschutz.

Über China hinaus wird das Schwammstadt-Konzept in Städten weltweit erprobt. Rotterdam in den Niederlanden, mit seiner langen Tradition im Wassermanagement, hat ähnliche Prinzipien in seine Stadtplanung integriert. Initiativen wie Wasserplätze – öffentliche Plätze, die gleichzeitig als Regenwasserspeicher dienen – zeigen, wie Städte Hochwasserrisiken in multifunktionale städtische Räume umwandeln können. In den USA hat New York City begonnen, grüne Infrastrukturprojekte wie wasserdurchlässige Gehwege und Gründächer umzusetzen, um den Abfluss von Regenwasser zu reduzieren und Überschwemmungen vorzubeugen. In Großbritannien integriert London vom Schwammstadt-Konzept inspirierte nachhaltige Entwässerungssysteme (SuDS) in die Stadtentwicklung, um die Hochwasserresistenz zu verbessern und gleichzeitig die Artenvielfalt zu fördern.

Kongjian Yu: Der Mann hinter der Vision

Kongjian Yu wurde 1963 im Dorf Dongyu in der chinesischen Provinz Zhejiang geboren und wuchs in einer ländlichen Bauerngemeinde auf. Seine Verbundenheit zur Natur prägte seine spätere Arbeit. Ein prägendes Ereignis in seiner Kindheit war der lokale Einsatz von DDT-Pestiziden im Jahr 1972, der zum Fischsterben in einem nahegelegenen Bach führte. Das unmittelbare Miterleben dieser Umweltkatastrophe weckte sein Bewusstsein für die Auswirkungen des Menschen auf Ökosysteme.

Yu studierte zunächst Ziergartenbau an der Forstuniversität Peking, doch sein akademischer Werdegang nahm eine entscheidende Wende, als er an der Harvard University einen Master- und Doktortitel anstrebte. Dort konzentrierte er sich auf die ökologische Landschaftsplanung und verfeinerte seine Ideen, wie urbane Räume harmonisch mit natürlichen Wassersystemen koexistieren können.

Nach seiner Ausbildung kehrte Yu nach China zurück und gründete Turenscape, ein Landschaftsarchitekturbüro, das weltweit Pionierarbeit für ökologische Urbanismusprojekte leistete. Sein Engagement hat maßgeblich zur Gestaltung der chinesischen Schwammstadtpolitik beigetragen, und sein Einfluss reicht weit über sein Heimatland hinaus.

In Anerkennung seiner Beiträge wurde Yu im Jahr 2023 mit dem Cornelia Hahn Oberlander International Landscape Architecture Prize ausgezeichnet. Diese prestigeträchtige Auszeichnung unterstreicht seine Rolle als weltweit führender Experte für nachhaltige Stadtplanung.

Ein Plan für die Zukunft

Da der Klimawandel extreme Wetterlagen verstärkt, werden urbane Resilienzstrategien wie das Sponge City-Konzept immer wichtiger. Kongjian Yus Ansatz stellt traditionelle Infrastrukturdenkmäler in Frage und plädiert stattdessen für Lösungen, die mit der Natur statt gegen sie arbeiten.

Städte weltweit nehmen dies zur Kenntnis, und da immer mehr städtische Gebiete diese Prinzipien integrieren, könnte das Sponge City-Modell zu einem Eckpfeiler nachhaltiger Stadtplanung im 21. Jahrhundert werden. Angesichts der rasanten Urbanisierung und der drohenden Klimabedrohungen bietet Yus Vision nicht nur einen theoretischen Rahmen, sondern auch eine bewährte, skalierbare Lösung für die drängenden Herausforderungen des städtischen Wassermanagements.